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Changeprozesse: Erfolgsfaktor Vertrauen

Aufbruch, Veränderung, Fortschritt: Das alles sind wunderbar positiv aufgeladene Begriffe. Wir sprechen auch vom „Zauber des Neuanfangs“.

Dennoch gibt es viele Change-Situationen, die von Sorgen, Skepsis und Ängsten begleitet werden. Selbst wenn es sich um positive Anlässe handelt. Sei es die Eheschließung, die Geburt eines Kindes, ein Jobwechsel, die Kandidatur für ein wichtiges politisches Amt, die Gründung eines Unternehmens… was könnte schöner sein? Für viele Menschen ist es nicht der Aufbruch, sondern das Verharren im Status Quo. Für sie wohnt der Zauber nicht im Neuen, sondern im Altbekannten.Veränderung wird mit Risiko gleichgesetzt. Je größer die Veränderung, auch wenn sie positiv ist, desto größer die Befürchtungen. Was, wenn die Ehe scheitert, der neue Job unglücklich macht oder die Firma pleite geht? Die Ängste sind begründet. Wer hoch fliegt, kann auch tief fallen. Tief sitzt das Bild des Ikarus. Wem wollen wir angesichts einer brennenden Sonne den schattigen Tiefflug verübeln?

Aber, wir brauchen alle Momente, in der wir die aus der Vogelperspektive auf unsere Entwicklung schauen, oder in der wir die grenzenlose Freiheit über den Wolken genießen. Wer sich nicht in die Kälte der Stratosphäre traut wird unsere Erde (und die eigene Welt) als eine flache Scheibe wahrnehmen. Voller Grenzen und Enge. Irgendwann wird aus der Behaglichkeit der Bodennähe, horizontferne und ein Käfiggefühl. Dies gilt für Idividuen ebenso wie für Unternehmen, Parteien und ganze Gesellschaften. Wer nicht auf die Suche nach neuen Impulsen, Ideen, Verwunderungen  - und manchmal auch Konflikten sucht - wird stehen bleiben und wer sich dem Fortschritt verweigert, wird bald merken, dass die Welt an einer:m vorbei zieht. Schnell weicht die wohlige Wärme des Bekannten dem Muff des Vergangenen.

Wir alle sollten uns somit der Bewegung anvertrauen und unsere Bremsen mutig lösen. Die Fahrtgeschwindigkeit ist dabei individuell zu wählen. Für die einen geht es um ein echtes Wettrennen, um zum Beispiel an der Spitze einer kulturellen oder wirtschaftlichen Entwicklung zu stehen. Oder um zum Beispiel den rasenden Zug des Klimawandels zu überholen, um die gedeihliche Existenz der Menschheit (gerade noch) zu sichern.

Für viele ist aber auch ein gemächliches Vortasten oder ein "Zwei-Schritte-vor-ein-Schritt-zurück"-Tempo angemessen. Wichtig ist das Vorwärts. Denn dort liegt die einzig echte Perspektive. Denn ein Zurück in vermeintlich bessere Zeiten gibt es nicht.

Wer es versucht - und viele haben es getan - wird mit einer herben Enttäuschung konfrontiert werden. Wer sich versucht gegen das Momentums der Zeit zu stemmen und im Ist bleiben zu wollen, wird sich bald alleine in einer irrealen (und sehr einsamen) Parallelwelt wiederfinden. Change ist der einzige Weg. Im Gegensatz zu allen anderen Aspekten des Lebens ist Veränderung in der Tat alternativlos.


Blickt man in die unendlichen Weiten der Bücherregale zum Thema Change, findet (neben einigem Quatsch) viele kluge Gedanken. Das klingt dann in etwa so:


Was es braucht sind Strategien, um aus einem Aufbruch eine erfolgreichen Zieleinlauf zu machen. Je klarer diese durchdacht und je realistischer sie sind, desto eher führen sie zum Erfolg.

Eine gute Changestrategie braucht 7 Schritte.

  1. Genaue Analyse des Grunds für die angestrebte Veränderung.

  2. Präzise und realistische Erfolgsdefinition

  3. Vollständige Inventur der Change-Ressourcen

  4. Ehrliche Abwägung der Chancen/Risiken

  5. Kommunikative Fähigkeiten und Vermittlungsbereitschaft

  6. Stärkung der kreativen Kompetenzen, um flexibel und erfolgreich auf Unvorhergesehnes reagieren zu können.


Was aber viel wichtiger als diese 6 Punkte aufzulisten ist, ist den Grund der hinter ihnen steht. Denn es gilt durch kluges Changemanagement Mut, Zuversicht und Hoffnung zu ermöglichen. Denn der strategische und oft metaebenengetriebene Ansatz sorgt für Klarheit und eine realistische Einschätzung der Erfolgschancen eines Veränderungsprozesses.

Es gibt Menschen, die springen voller Freude und ohne Angst ins Unbekannte. Die meisten Individuen sind aber auf Sicherheit auch im Wandel aus. Nur, wenn sich der Mut gut begründen lässt, sind sie bereit das (kalkulierte) Restrisiko einzugehen.  Die o.g. 6 Punkte dienen also einem rational begründbaren Mut.

Das reicht aber oft nicht aus. Die Liste bedarf einer Ergänzung, wenn Menschen sich wirklich dem Fortschritt anvertrauen sollen. Dabei handelt es sich um emotional begründeten Mut. Dies geligt durch Freundschaft, Kollegialität, Verbundenheit oder Liebe. "Und wenn alles schief geht, haben wir immer noch uns." Lautet das Versprechen, auf das es ankommt. Übersetzt heißt das "Wir tragen das Risiko des Scheiterns gemeinsam. Du wirst nicht allein gelassen."

Fehlt dieses Versprechen oder ist es nicht glaubwürdig, müssen Veränderungsprozesse scheitern. Niemand heiratet ohne das Vertrauen in die Wahrhaftigkeit des Satzes "in guten wie in bösen Zeiten", niemand gründet ein Unternehmen oder investiert in neue Produkte, wenn man:frau im Falle des Misserfolgs allein im Regen stehen gelassen wird.

Vermutet ein Team, dass die Chefetage, die Verantwortung für ein Scheitern an die Mitarbeiter:innen weiterreicht, wird diese Sorge zur Kreativitätsverweigerung und Verantwortungsdelegation führen.

Wenn eine Gesellschaft, den politischen Eliten die ehrbaren Absichten abspricht, wird es gegen jede Reform merkliche Proteste geben.

Wird der Ehebruch bereits im Standesamt vermutet, wird das Jawort vermutlich verweigert.

Der Schlüssel zum Erfolg eines jeden Changeprozesses liegt nicht in einer Liste von Spiegelstrichen, sondern in einem einzigen Wort: Vertauen. Die Spiegelstriche dienen nur der Unterfütterung. Zusätzlich braucht es Erfahrungen, die eine Begründung dafür liefern, dass es realistisch/erwartbar ist, dass dieses Vertrauen gerechtfertigt ist.


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